März 3, 2026 admin

Dokumentarische Begleitung einer Weltrekord-Sprengung

Filmproduktion bei der Kaminsprengung im Gersteinwerk Werne

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Die filmische Dokumentation von Industrie- und Abbruchprojekten zählt zu den anspruchsvollsten Aufgaben in der professionellen Filmproduktion. Bei der Kaminsprengung im
RWE Gersteinwerk in Werne, handelte es sich um eine Weltrekord-Sprengung mit außergewöhnlichen technischen und organisatorischen Anforderungen.

Der Kamin war rund 282 Meter hoch und wog 15.000 Tonnen. Damit gehörte er zu den höchsten Bauwerken, die jemals kontrolliert über Kippgelenke gesprengt wurden.
Die Kippgelenke mit jeweils rund 40 Tonnen Gewicht sorgten dafür, dass das Bauwerk zentimetergenau in die vorgesehene Richtung fiel.
Das Fallbett umfasste rund 100.000 m³ aufgeschüttete Erde, um die enorme Energie beim Aufprall aufzunehmen.

Für die Filmproduktion bedeutete dieses Projekt vor allem eines: Es gibt nur einen Versuch.


Filmproduktion in der Sperrzone einer Sprengbaustelle

Sprengungen unterliegen strengen Sicherheitsvorschriften. Vor Drehbeginn absolvierte das gesamte Team eine spezielle Sicherheitseinweisung mit anschließender Prüfung.
Etwa 30 Minuten vor der Detonation aktivierten wir als letzte Personen im Gefahrenbereich sämtliche Kameras. Danach war kein Zutritt mehr möglich.

Wenn eine Kamera nicht läuft, ist die Aufnahme verloren.

Insgesamt kamen zwölf Kamerasysteme zum Einsatz. Zusätzlich wurde eine Crashcam im Inneren des Kamins installiert.
Uns war von Beginn an klar, dass sie die Sprengung nicht überstehen würde. Nach der Detonation lag die Kamera unter mehreren Tonnen Schutt. Das Signal wurde deshalb extern aufgezeichnet.
Sie war vollständig zerstört, lieferte jedoch genau die Bilder, die für die Projektdokumentation entscheidend waren.

Spezielle Schutzcases für Kameras bei Sprengungen

Um Kameras möglichst nah an der Sprengstelle einsetzen zu können, entwickelten wir modifizierte Schutzcases auf Basis luftdichter Hartschalenkoffer. Zum Einsatz kamen überwiegend RED Komodo Kamerasysteme.

Die Gehäuse verfügen über ein doppelt gefiltertes Zu- und Abluftsystem. Durch einen leichten Überdruck wird verhindert, dass feiner Staub eindringt. Gerade bei Sprengungen stellt Staub eine der größten Gefahren für empfindliche Kameratechnik dar. Mehrere Cases lassen sich koppeln und gemeinsam überwachen. Diese Systeme sind speziell für Abbruch-, Industrie- und Großbaustellenprojekte konzipiert, bei denen Standardlösungen nicht ausreichen.

Liveübertragung über 1,5 Kilometer Distanz

Die Regie befand sich rund 1000 Meter von der Sprengstelle entfernt. Eine Glasfaserlösung hätte einen erheblichen logistischen Aufwand bedeutet. Stattdessen wurden ausgewählte Kameras mit Dual-SIM-Modulen und zusätzlicher Satellitenübertragung ausgestattet.

Live übertragen wurden eine bodennahe Kamera sowie das Signal einer Drohne. Alle weiteren Kameras zeichneten intern in voller Qualität auf. So blieb maximale Sicherheit bei gleichzeitig höchster Bildqualität gewährleistet. Neben einer klassischen Kameradrohne kam auch eine FPV-Drohne zum Einsatz. Diese ermöglicht besonders dynamische und nahe Flugmanöver. Dabei nehmen die Piloten bewusst ein höheres Risiko für die Technik in Kauf, um eindrucksvolle Bilder zu erzielen. Je näher die Kamera am Geschehen ist, desto intensiver wirkt die Aufnahme.

Redundanz ist Pflicht bei einmaligen Ereignissen

Stromversorgung, Speicher und Aufnahmezeit wurden mehrfach abgesichert.

In 4K mit 50 Bildern pro Sekunde beträgt die maximale Aufnahmezeit pro Kamera etwa 45 Minuten. Verzögert sich der Countdown, kann das kritisch werden. Während dieses Projekts wurde der Ablauf aus Sicherheitsgründen kurzfristig unterbrochen.

In solchen Momenten entscheidet die Vorbereitung darüber, ob die Aufnahmen gelingen oder verloren sind.

Filmproduktion für Bau, Abbruch und Industrie

Industriefilm ist keine klassische Werbeproduktion. Drehorte sind reale Arbeitsumgebungen mit echten Risiken, engen Zeitfenstern und hohen technischen Anforderungen.

Die dokumentarische Begleitung von Baustellen, Rückbauprojekten und Industrieanlagen erfordert Erfahrung, technisches Verständnis und präzise Planung.

Besonders dann, wenn es keine zweite Chance gibt. Neben langen Aufbauzeiten gehören auch frühe oder nächtliche Arbeitszeiten dazu. Bei einem anderen Sprengprojekt fanden die Dreharbeiten beispielsweise nachts statt, da sich in unmittelbarer Nähe eine Autobahn befand und eine Sprengung bei Tageslicht zu gefährlichen Ablenkungen im Verkehr hätte führen können.

Vom Livestream zur Projektdokumentation

Aus dem Material entstanden ein Showcase-Film, mehrere Recruitingvideos, eine ausführliche Projektdokumentation sowie ein Livestream der Sprengung.
Großprojekte dieser Art werden filmisch nicht nur für die Öffentlichkeit begleitet.
Sie dienen ebenso der internen Kommunikation, Präsentationen, als Nachweis für Kunden und Versicherung oder der Personalgewinnung.

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